„Als Paul über das Meer kam“

Der etwas andere Dokumentarfilm zu Migration mit anschließender Fragerunde mit dem Hauptdarsteller

Autor: Tobias Nehrdich
Am Mittwoch, den 22.11.2017, besuchte die Klasse 11s im Rahmen der SchulKinoWoche das „Kino im Schillerhof“. Auf dem Programm stand der Film „Als Paul über das Meer kam“ des Grimme-Preis-Trägers Jakob Preuss. Der Regisseur erzählt in diesem in vielerlei Hinsicht besonderen Film von seiner gewachsenen Verbindung zu dem Geflüchteten Paul Nkamani.

 

Paul Nkamani, Herr Preuss und die 11s der Kaleidoskop Schule

Paul Nkamani, Herr Preuss und die 11s der Kaleidoskop Schule

Preuss begegnet Nkamani zum ersten Mal, als er entlang der Außengrenzen Europas auf Recherchereise ist. Kurz darauf ergattert Paul einen begehrten Platz auf einem Schlauchboot nach Europa, doch die Überfahrt nimmt einen tragischen Ausgang: Die Hälfte seiner Mitreisenden stirbt, Paul überlebt. Der Regisseur sieht die erschütternden Bilder der Rettung im Fernsehen und begibt sich auf die Suche nach Paul. Er findet ihn in einem spanischen Rote-Kreuz-Heim wieder. Jakob muss sich entscheiden: Soll er Paul aktiv bei seinem Streben nach einem besseren Leben unterstützen oder in der Rolle des beobachtenden Filmemachers bleiben? Viereinhalb Jahre nachdem Pauls Odyssee begonnen, er seine Mutter in Kamerun verlassen hat und seinen Vater beerdigen musste, obwohl ihm schon einfache Antibiotika geheilt hätten, zieht er zu Jakobs Eltern ins ehemalige Kinderzimmer des Regisseurs. Und doch bleibt seine Zukunft in Deutschland ungewiss… Der Trailer, zu finden mit der Suchmaschine des Vertrauens, gibt einen ersten Einblick in diesen wunderbaren Film.
In besonderem Maße großartig war, dass wir im Anschluss an den Film mit dem charismatischen Hauptdarsteller Paul Nkamani und dem Vater des Regisseurs, bei dem Paul wohnt, ins Gespräch kommen konnten. Das half uns, das Einzelschicksal Pauls besser zu verstehen und verschiedene Blickwinkel miteinander zu verschränken. Welche Beweggründe hatte Paul dafür, sein vertrautes Umfeld, mit Orten und Menschen die er liebt, zu verlassen? Wie begegneten ihm die Menschen auf seiner Flucht und hier in Deutschland? Wie positioniert er sich (und der Vater des Regisseurs) selbst bei Fragen um den Umgang mit Flüchtlingen, Obergrenzen und Nächstenliebe? Darüber hinaus wurden aber auch Fragen hinsichtlich der europäischen Flüchtlings- und Abschottungspolitik vom Publikum gestellt. Haben die Europäer aufgrund ihrer kolonialen Vergangenheit (Sklavenhandel, wirtschaftliche Ausbeutung…) und ihrer problematischen Subventionspolitik (mit finanziellen Mitteln verbilligte Lebensmittel, die die afrikanischen Märkte überschwemmen, wobei sie die Lebensmittelproduktion vor Ort verhindern, da die europäischen Produkte trotz des langen Transportweges viel günstiger sind)  Anteil an den bescheidenen, teilweise aussichtslosen Lebensbedingungen in Afrika? Was können wir als Gesellschaft für Flüchtlinge tun, und was nicht?
Die Schüler der 11s sahen sich konfrontiert mit ihrer eigenen Haltung zum Thema Umgang mit Geflüchteten und der Frage, wie wir Menschen gut gemeinsam leben können. Dankbar und beeindruckt vom Film, vom Gespräch und damit von der Möglichkeit, dieses komplexe Thema tiefer zu verstehen, kehrten wir mit vielen neuen Eindrücken nach Hause zurück. Getragen von dem ambivalenten Gefühl, dass wir einfach nur Glück hatten, genau hier in Deutschland geboren zu sein…

 

Klasse 11s und T. Nehrdich